Im Rahmen eines Interviews mit der Schweizerischen Post (DirectPoint) hat unser Head of Procurement & Marketing Roman Hasler über aktuelle Entwicklungen, Trends, Chancen und No-Gos im Werbeartikelmarkt gesprochen. Das von Marcel Suter geführte Gespräch bildete die Grundlage für ein Mailing und einen Online-Bericht. Nachfolgend die ungekürzte Originalfassung mit den Gedanken und Einblicken, die gekürzt in der finalen Version des Interviews verarbeitet wurden.
Viele erwarten eine klare, dominante Trendrichtung. Aus meiner Sicht gibt es diese aber nicht. Stattdessen beobachten wir mehrere kleinere Entwicklungen gleichzeitig. Was sich aber klar zeigt: Unternehmen möchten individueller auftreten – unabhängig vom konkreten Produkt.
Der Werbeartikel soll nicht mehr nur ein Logo-Träger sein, sondern ein bewusst gewähltes Statement, das einen bleibenden Eindruck hinterlässt.
Kreativität entsteht nicht nur über das Produkt selbst, sondern stark über Design und Umsetzung. Ein klassisches Beispiel ist das bekannte 6-Panel-Cap: Früher ein Standardartikel, heute kann man daraus ein echtes Lifestyle-Produkt machen – etwa durch hochwertige Materialien wie Cord oder ein modernes Design, wie man es aus dem Retail kennt.
Ich finde, hier darf man als Kund:in ruhig mehr erwarten und auch den Werbeartikelpartner fordern. Am Ende geht es darum, eine starke Markenwirkung zu erzielen – und sich zu überlegen: Würde ich mich selbst über dieses Produkt freuen?
Die Nachfrage nach Markenartikeln mit erkennbarem Mehrwert ist deutlich gestiegen. Produkte, deren Wert der Empfänger kennt, haben eine ganz andere Wirkung.
Gleichzeitig passiert auch auf der Anbieterseite etwas Spannendes: Marken öffnen sich zunehmend für den Werbeartikelmarkt, weil der stationäre Handel an Bedeutung verliert und neue Vertriebskanäle gesucht werden. Davon profitieren Anbieter wie wir.
Eine sehr wichtige. Werbeartikel haben einen entscheidenden Vorteil gegenüber rein digitalen Massnahmen: die Haptik. Etwas Physisches zu berühren, aktiviert das Gedächtnis stärker. Dabei geht es um den richtigen Mix.
Interessant ist auch: Trends aus dem B2C-Bereich brauchen oft rund ein Jahr, bis sie im Werbeartikelmarkt ankommen. Häufig fehlt im Marketing der Mut, früh auf neue Ideen zu setzen.
Der grosse Hype wurde durch Corona etwas gebremst, aber das Thema ist nach wie vor präsent. Besonders bei Unternehmen ab etwa 250 Mitarbeitenden ist Nachhaltigkeit ein wichtiges Kriterium.
Werbeartikel-Anbieter ohne entsprechende Zertifizierungen wie ISO 14001 oder EcoVadis werden es zunehmend schwer haben. Gleichzeitig sehen wir klar: Der Anteil an recycelten Materialien steigt kontinuierlich.
Trotzdem bleibt letztendlich der Preis ein entscheidender Faktor: oft gewinnt am Ende doch das wirtschaftlich attraktivere Angebot.
Swissness ist und bleibt ein zentrales Thema in der Schweiz – mit leicht steigender Tendenz in den letzten Jahren.
Klassiker wie Caran d’Ache oder Victorinox sind weiterhin starke Treiber.
Gleichzeitig unterschätzen viele die Bandbreite an Swiss-Made-Produkten: von Food-Artikeln über Holzprodukte bis hin zu hochwertigen Duftlösungen im Premiumbereich. Hier lohnt sich eine fundierte Beratung.
Materialtrends kommen und gehen – aktuell sind beispielsweise Cord oder Metallic-Optiken besonders gefragt, vor allem bei Taschen. Parallel dazu passiert viel im Hintergrund: Drucktechnologien werden effizienter, schneller und günstiger. Ein Beispiel ist DTF (Direct to Film). Auch bei Farben gibt es Fortschritte – etwa wasserarme oder wasserlose Varianten mit besserer Umweltbilanz.
Die Personalisierung mit Einzelnamen wurde vor Jahren als Megatrend gehandelt. In der Praxis hat sich das im Werbeartikelbereich aber kaum durchgesetzt. Der Aufwand in Produktion und Abwicklung ist oft einfach zu hoch. Bewährt hat sich nach wie vor die klassische Gravur – einfach, effizient und wirkungsvoll.
Das ist eher weniger gefragt. Werbeartikel müssen selbsterklärend sein. Wenn ein Produkt zu kompliziert wird, verliert es schnell an Wirkung.
Natürlich gibt es einzelne Projekte in diese Richtung – aber im breiten Markt ist das kein dominierendes Thema.
Wenn ich eine Prognose wagen müsste: Dual Finder – also smarte Tracking-Gadgets, ähnlich wie AirTags, die sowohl mit Apple- als auch Android-Netzwerken funktionieren. Sie lassen sich einfach in Schlüsselanhänger oder Taschen integrieren und bieten echten Mehrwert im Alltag. Diese Kombination aus Funktionalität, Relevanz und täglicher Nutzung macht sie zu besonders wirkungsvollen Werbeartikeln, die langfristig im Einsatz bleiben und so die Markenpräsenz nachhaltig stärken.
Kurz gesagt Artikel, die unter der Digitalisierung leiden: klassische Schreibgeräte werden weniger nachgefragt und auch USB-Sticks, die vor wenigen Jahren noch ein Top-Seller waren. Diese werden nun oft ersetzt durch Cloud-Lösungen und sind aus Compliance-Gründen unerwünscht.
Wie vorher kurz angedeutet ist der Preis ist weiterhin entscheidend, aber zunehmend auch die Lieferzeit. Viele Projekte werden sehr kurzfristig geplant, beeinflusst vom B2C-Verhalten mit schnellen Liefererwartungen. Das hat zwei Nachteile: höhere Kosten und weniger Spielraum für kreative, individuelle Lösungen.
Das ist natürlich subjektiv. Aber aus meiner Sicht ist ein klarer Fehler: einfach einen billigen Standardartikel zu verteilen, nur damit man «etwas gegeben hat».
Weniger, dafür gezielter und in guter Qualität – das ist der deutlich nachhaltigere Ansatz für die Markenwirkung.